
Benckiserpark Pforzheim – Der kleine Central Park der Goldstadt?
Vor rund zehn Jahren hatten wir die Gelegenheit, New York und den weltberühmten Central Park zu besuchen. Damals entstand ein spannender Städtevergleich zwischen New York und Pforzheim. Auf den ersten Blick mag dieser Vergleich gewagt erscheinen. Doch wer regelmäßig durch den Benckiserpark spaziert, entdeckt erstaunliche Parallelen.
Die rechteckige Grundform, die geschwungenen Wege, Wasserflächen, alte Bäume, Eichhörnchen, Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kulturen – sogar die gelegentlichen Diskussionen über Sicherheit und Kriminalität erinnern an Themen, die auch den berühmten Park in Manhattan seit Jahrzehnten begleiten.
Natürlich liegen die Unterschiede auf der Hand: Während der Central Park mit rund 341 Hektar eine der größten innerstädtischen Parkanlagen der Welt ist, umfasst der Benckiserpark nur einen Bruchteil dieser Fläche. Auch die ihn umgebende Skyline fällt deutlich bescheidener aus. Doch vielleicht liegt genau darin sein besonderer Reiz.
Die Geschichte des Benckiserparks
Was viele Pforzheimer nicht wissen: Der Benckiserpark entstand ursprünglich als Privatgarten der bedeutenden Industriellenfamilie Benckiser. Die Anlage gehörte zur Villa Benckiser und wurde im spätbarocken Stil gestaltet. Im Jahr 1918 schenkte die Familie den Park der Stadt Pforzheim unter der ausdrücklichen Bedingung, dass er dauerhaft als öffentliche Grünanlage erhalten bleibt.
Die Familie Benckiser gehörte über Generationen hinweg zu den prägenden Unternehmerfamilien der Stadt. Ihre Aktivitäten reichten von Eisenwerken über die Schmuckindustrie bis zur Chemieproduktion. Noch heute erinnern zahlreiche Orte in Pforzheim an diesen Namen.
Die einstige Villa Benckiser wurde beim Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 zerstört. An ihrer Stelle entstand später das Haus der Jugend. Der Park blieb jedoch erhalten und entwickelte sich zu einer der wichtigsten innerstädtischen Grünanlagen der Weststadt.
Weitere Gemeinsamkeiten mit dem Central Park
Je länger man beide Parks betrachtet, desto mehr Parallelen fallen auf:
Grüne Oase mitten in der Stadt
Sowohl der Central Park als auch der Benckiserpark bilden einen deutlichen Kontrast zur umgebenden Bebauung. Wer den Park betritt, lässt Straßenverkehr, Geschäfte und Alltagshektik für einen Moment hinter sich.
Treffpunkt der Kulturen
Der Benckiserpark spiegelt die Vielfalt Pforzheims wider. Familien, Schüler, Senioren, Sportler und Menschen unterschiedlichster Herkunft nutzen die Anlage täglich. Ähnlich erfüllt der Central Park in New York seit Generationen die Funktion eines gemeinsamen öffentlichen Wohnzimmers der Stadt.
Historische Bäume und gewachsene Strukturen
Während viele Grünanlagen künstlich geplant wirken, besitzen beide Parks eine über Jahrzehnte gewachsene Baumstruktur. Besonders die alten Baumriesen prägen den Charakter des Benckiserparks und schaffen eine Atmosphäre, die man in modernen Stadtquartieren kaum noch findet.
Wasser als prägendes Element
Wasser spielt in beiden Parks eine wichtige Rolle. Im Benckiserpark sorgt der Mühlkanal für besondere Perspektiven und ein angenehmes Mikroklima. Im Central Park übernehmen Seen, Teiche und Wasserläufe diese Funktion.
Naturbeobachtung mitten in der Stadt
Eichhörnchen gehören im Benckiserpark fast selbstverständlich zum Bild. Wer aufmerksam unterwegs ist, entdeckt zahlreiche Vogelarten und erlebt Natur unmittelbar innerhalb des städtischen Raumes.
Die Unterschiede
Trotz aller Gemeinsamkeiten bleibt der Maßstab natürlich ein anderer.
Der Central Park wurde bewusst als gigantische Landschaftsarchitektur für eine Millionenmetropole angelegt. Der Benckiserpark hingegen entstand aus einem privaten Villengarten und wirkt dadurch deutlich intimer und persönlicher. Während in New York Wolkenkratzer den Horizont dominieren, wird der Benckiserpark von Wohnhäusern, Schulen und öffentlichen Einrichtungen eingerahmt.
Vielleicht macht gerade diese Überschaubarkeit seinen besonderen Charme aus: Man begegnet Bekannten, trifft Nachbarn oder genießt einfach die Ruhe unter alten Bäumen.
Ein Stück Lebensqualität für Pforzheim
Der Benckiserpark ist weit mehr als eine Grünfläche. Er ist ein lebendiges Stück Stadtgeschichte, das auf die Industriellenfamilie Benckiser zurückgeht und bis heute den ursprünglichen Wunsch der Stifter erfüllt: den Menschen einen Ort der Erholung mitten in der Stadt zu bieten.
Wer einmal im Schatten der alten Bäume sitzt und den Blick über die Wiesen schweifen lässt, versteht schnell, warum wir vor zehn Jahren unweigerlich an den Central Park denken mussten.
Vielleicht ist der Benckiserpark tatsächlich nicht der größte, aber ganz sicher einer der schönsten „Central Parks“ Baden-Württembergs.
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