
Wie mit Holz in die Höhe gebaut wird
Ein 45 Meter hohes Wohngebäude, 14 Geschosse und eine Konstruktion, die Holz und Beton miteinander verbindet: Das Hochhaus CARL im Pforzheimer Stadtteil Arlinger zeigt, welche Möglichkeiten der moderne Holzbau inzwischen bietet. Das Projekt wurde mehrfach für seine Architektur ausgezeichnet.
Wer durch den Pforzheimer Stadtteil Arlinger fährt, kann das Gebäude kaum übersehen. Mit rund 45 Metern Höhe überragt CARL die umliegende Bebauung deutlich. Bauherr ist die Baugenossenschaft Arlinger, die mit dem Projekt nicht nur neue Wohnungen geschaffen, sondern auch Erfahrungen mit einer Bauweise gesammelt hat, die bei Hochhäusern in Deutschland noch vergleichsweise selten anzutreffen ist.
Entworfen wurde das Gebäude vom Pforzheimer Architekturbüro Peter W. Schmidt + Assoziierte. Das Ensemble umfasst insgesamt 73 Wohnungen, davon 37 im Hochhaus. Hinzu kommen eine Kindertagesstätte mit sechs Gruppen sowie eine Bäckerei mit Café.
Holz und Beton übernehmen unterschiedliche Aufgaben
CARL wird häufig als Holzhochhaus bezeichnet. Technisch genauer ist die Bezeichnung Holz-Hybrid-Hochhaus, denn das Gebäude besteht keineswegs ausschließlich aus Holz.
Der Gebäudekern, das Sicherheitstreppenhaus, das Erdgeschoss und die Tiefgarage wurden in Stahlbeton ausgeführt. In den oberen Geschossen kommen unter anderem Holzstützen, Holz-Beton-Verbunddecken und vorgefertigte Fassadenelemente zum Einsatz.
Diese Kombination ermöglicht es, die jeweiligen Eigenschaften der Baustoffe gezielt zu nutzen. Beton übernimmt insbesondere Aufgaben bei der Aussteifung und beim Brandschutz. Holz kommt dort zum Einsatz, wo es konstruktiv und hinsichtlich des Materialeinsatzes sinnvoll verwendet werden kann.
Ein Teil des verbauten Holzes stammt aus dem Pforzheimer Stadtwald. Die horizontalen Betonbänder der Fassade prägen nicht nur das Erscheinungsbild, sondern erfüllen auch brandschutztechnische Funktionen.
Rund 33 Millionen Euro Baukosten
Innovative Bauweisen müssen sich auch wirtschaftlich bewähren. Der offizielle Projektabschlussbericht weist für CARL Nettobaukosten von rund 32,98 Millionen Euro aus. Davon entfallen etwa 30,12 Millionen Euro auf die Baukonstruktion und die technischen Anlagen.
Die ursprüngliche Auftragssumme lag bei rund 29,2 Millionen Euro. Bei einem Vergleich dieser Zahlen müssen die unterschiedlichen Kostenstände und Abgrenzungen berücksichtigt werden.
Die Baugenossenschaft Arlinger hat mit dem Projekt Erfahrungen gesammelt, die für künftige Bauvorhaben von Bedeutung sein können. Der Abschlussbericht macht allerdings deutlich, dass der Holz-Hybrid-Hochhausbau bei Bauzeit und Kosten noch nicht mit allen etablierten, stark vorgefertigten Bauweisen konkurrieren kann.
Für die Wohnungswirtschaft stellt sich deshalb nicht nur die Frage nach den technischen Möglichkeiten, sondern auch nach den langfristigen Kosten. Dazu gehören die Instandhaltung der Konstruktion, die Bewirtschaftung des Gebäudes und die erzielbaren Mieten.
Anerkennung durch die Fachwelt
Die architektonische und konstruktive Leistung hat inzwischen über Pforzheim hinaus Beachtung gefunden.
2026 erhielt CARL die Hugo-Häring-Auszeichnung des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) in der Region Nordschwarzwald. Das Projekt wurde auch im Rahmen des Auszeichnungsverfahrens „Beispielhaftes Bauen“ für Pforzheim und den Enzkreis gewürdigt.
Hinzu kommen Nominierungen für weitere Architekturpreise, darunter der DAM Preis für Architektur in Deutschland.
Für Pforzheim ist CARL damit nicht nur ein neues Wohngebäude, sondern auch ein Beispiel dafür, dass anspruchsvolle Architektur und die Entwicklung neuer Bauverfahren unmittelbar vor Ort stattfinden.
Holzbau ist längst nicht mehr auf Wohnhäuser beschränkt
Die Erfahrungen mit CARL zeigen, dass Holz auch bei größeren und technisch anspruchsvollen Gebäuden eingesetzt werden kann. Dabei geht es nicht darum, Beton und Stahl grundsätzlich zu ersetzen. Entscheidend ist vielmehr, welcher Baustoff für welche Aufgabe geeignet ist.
Dass dieser Ansatz auch bei ganz anderen Immobilien funktioniert, zeigt ein weiteres Projekt in Baden-Württemberg.
Im folgenden Beitrag stellen wir ein Parkhaus in Wendlingen am Neckar vor, das überwiegend aus Holz errichtet wurde. Es bietet 349 Pkw-Stellplätze, verfügt über fünf Parkebenen und kostete nach Angaben der Stadt rund elf Millionen Euro.
Während bei CARL das Wohnen im Mittelpunkt steht, musste die Holzkonstruktion in Wendlingen die Anforderungen eines Parkhauses erfüllen. Dazu gehören hohe Verkehrslasten, Brandschutz, Witterungseinflüsse und die Möglichkeit, das Gebäude später anders zu nutzen.
Beide Projekte zeigen, wie unterschiedlich Holz im mehrgeschossigen Bauen eingesetzt werden kann.



































































































